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#7 – Toxisches Verhalten in unterschiedlichen Positionen – Vorgesetzter/Führungskraft

Interessant wird es insbesondere, wenn wir uns die unterschiedlichen Positionen im Arbeitsumfeld anschauen, die sich toxisch verhalten können. Wenn es den Vorgesetzten oder eine Führungskraft betrifft, fühlen sich viele noch mehr in der Ohnmacht und Verzweiflung, weil der Glaube existiert, dass der andere aufgrund seiner Position immer im Recht ist und man sich als „Untergebener“ nicht wehren darf.


Wie kann sich toxisches Verhalten in der Konstellation zum Vorgesetzten zeigen?

Zunächst ist es ja erst einmal schwierig herauszufinden, ob es sich überhaupt um etwas „Toxisches“ und damit Schädliches handelt. Das Verhalten kann sich insbesondere in folgenden Bereichen zeigen:

1.       Verstärktes Mikromanagement

Du darfst quasi kaum noch eigenständig arbeiten, Entscheidungen treffen und deinen Job erledigen, musst ständig reporten und kriegst pausenlos neue Vorgaben ohne Absprache. Dinge werden über deinen Kopf entschieden und du gerätst immer mehr an den Rand deiner Projekte und Aufgaben.

2.       Mangel an Kommunikation oder Abstimmung klarer Erwartungen

Kommunikation findet kaum statt und wenn dann sehr unklar und intransparent. Nachfragen bleiben unbeantwortet und es gibt keine klaren Absprachen.

3.       Missbrauch von Macht oder Autorität

Die Macht, die deinem Vorgesetzten obliegt, wird gegen dich oder/und das Team ausgeübt. Es wird eher patriarchisch geführt bzw. werden die Themen nicht demokratisch gelöst.

4.       Belästigung oder Diskriminierung

Du wirst ausgebotet, ungerecht behandelt, bloß gestellt und in deinem Sein belästigt.

5.       Fehlen von Unterstützung oder Anerkennung

Deine Arbeit sowie deine Person finden keine Unterstützung. Du bist auf dich selbst gestellt. Anerkennung gibt es nicht.

6.       Negative oder demütigende Kommunikation

Stattdessen hagelt es Kritik und Abwertung deiner Aufgaben und Vorschlägen. Du wirst alleine oder auch vor versammelter Mannschaft vorgeführt und diffamiert, bis du dich nicht mehr traust etwas zu sagen.

Wesentlich ist auch, in welchen Situationen diese Verhaltensweisen auftreten. Wirst du insbesondere in Einzelgesprächen so behandelt oder eher in größeren Gruppen? Wird über dich gesprochen oder wirst du direkt angegangen usw.


Die Möglichkeiten der toxischen Verhaltensmuster und Ausprägungen sind leider vielfältig und es ist vor allem nicht möglich, die Dinge wieder zurück ins erwachsenen Bewusstsein zu bringen.


Welche Hintergründe können beim Vorgesetzten hierfür vorliegen?

Interessant ist auch zu schauen, ob dieses Verhalten schon immer an der Tagesordnung war, oder ob es sich erst in den letzten Wochen gezeigt hat. War es immer gleich intensiv oder hat es zugenommen? Woran ist es dir jetzt aufgefallen? Was war der Auslöser?


So kann es natürlich sein, dass durch zunehmenden Stress sich die Verhaltensweise deines Vorgesetzten verändert hat. Dieser kann durch berufliche Zusatzbelastung aber auch private Themen entstanden sein. Dies soll es nicht entschuldigen, aber erklären. Manchmal gibt es Phasen, in denen sich toxisches Verhalten zeigt, weil es einfach zu viel geworden ist.


Es kann leider aber auch darin begründet sein, dass der Vorgesetzte in seiner Position überfordert ist, die notwendigen Kompetenzen und Fähigkeiten für eine gesunde Mitarbeiterführung nicht hat und einfach nicht für die Funktion geeignet ist.


Fatal ist natürlich, wenn du dich in einem Unternehmensumfeld bewegst, indem ein solches Verhalten ggf. toleriert und sogar begünstigt wird.


Welche Ängste können bei dir als Betroffene/r entstehen?

Natürlich ist die Angst in dieser Machtkonstellation anders gelagert als zwischen Kollegen. So herrscht die Angst, dass sich der Vorgesetzte bei dir rächen wird, wenn du sein Verhalten petzt oder ihn auffliegen lässt. Damit natürlich auch die Angst um die eigene Karriereentwicklung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wie ist es um deinen Ruf bestellt, wenn du in eine solche Situation verwickelt bist und Krawall machst. Also insgesamt einfach die beruflichen Nachteile, die folgen können bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.


Welche Chancen bietet dir diese prekäre Situation im Zweifel aber auch?

Sicherlich kannst du deine offene Kommunikation und Durchsetzungswille, deine sozialen Kompetenzen und dein Einstehen für dich selbst auch positiv nutzen und damit deine Arbeitsbeziehungen sogar verbessern kannst.


In solchen Situationen mit solchen Menschen kannst du enorm persönlich wachsen, deine eigenen Fähigkeiten zur Konfliktlösung trainieren und entwickeln. Unterschätze auch deinen Anteil an der potentiellen Verbesserung der Arbeitsplatzkultur nicht. Jeder Schritt in Richtung Auflösung und Aufdeckung der Missstände führt zu einer Veränderung, zu mehr Bewusstsein und zur Möglichkeit, diese Verhaltensmuster zu durchbrechen.


Was sind mögliche Risiken?

Risiken, die bestehen sind leider der fortdauernde Stress und die zusätzliche Belastung durch die toxische Situation, damit eine verschlechterte Arbeitsleistung und ein vermindertes Wohlbefinden. Die Angst vor dem möglichen Arbeitsplatzverlust ist sicherlich die größte in dieser Situation, die eine klares Denke sicherlich erschwert.


Was kann ich für mich tun?

Wenn ich also der Meinung bin, nach eingehender Beobachtung meiner Gefühle und den jeweiligen Sachverhalten, dass ich einen Vorgesetzten habe, der sich mir gegenüber (oder auch anderen) toxisch verhält, wären folgende Schritte möglich:

1.       Selbstreflexion

Werde dir klar darüber, ob deine Wahrnehmung neutral und objektiv ist, oder du ggf überempfindlich und persönliche Befindlichkeiten auf deiner Seite eine Rolle spielen.

2.       Dokumentation

Beginne die Vorfälle und Wortwechsel schriftlich festzuhalten. Sei dabei ganz akribisch hinsichtlich Datum, Uhrzeit, Thema, Beteiligte, was ist genau passiert, welche Worte wurden verwendet. Dies ist immer hilfreich, falls es eines Tages zu einer näheren Untersuchung kommt, oder du dir Hilfe suchst und du dir nicht mehr ganz sicher bist, wie der Ablauf tatsächlich war. Leider vergessen wir oft vieles und so ist es gut, wenn du es festgehalten hast.

3.       Kommunikation

Ein wichtiger Schritt und erste Möglichkeit ist es, dich direkt mit der Person zu besprechen. Deine Empfindung zu teilen, dich und deine Bedenken ruhig und bedacht auszudrücken und herauszufinden, ob der andere sich seiner Wirkung bewusst ist. Versuche sachlich und korrekt zu verhalten und bei dir zu bleiben. Sei auf alles gefasst und erwarte nichts.

4.       Hilfe suchen

Versuche dir Unterstützung zu suchen – unter den Kollegen, bei anderen Führungskräften, evtl. auch einer Ebene drüber und dem Unternehmens-Mentor, wenn es einen solchen gibt. Vielleicht gibt es andere mit ähnlichen Erfahrungen.

5.       HR einschalten

Wenn sich die Situation verschlimmert, dein Vorgesetzter unzugänglich ist, abblockt oder einfach weitermacht, dann wende dich an die entsprechende Abteilung und bitte um Hilfe. Hier kann deine Dokumentation schon unterstützen, um die Situation so objektiv wie möglich darzustellen.

6.       Externe Hilfe

Falls du das Gefühl bekommst, dass dir im Unternehmen niemand so recht helfen möchte oder kann, besteht natürlich immer auch die Möglichkeit, dir professionelle Beratung zu suchen – sowohl psychologischer aber auch rechtlicher Natur. Manchmal können ja durchaus wichtige finanzielle und arbeitsrechtliche Sachverhalte beeinflusst sein.

7.       Selbstfürsorge

Schaue besonders gut nach dir in diesen extremen Situationen. Achte gut auf deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Versuche den zusätzlichen Stress anderweitig abzubauen, mache Sport und entspanne dich. Alles, was dir außerhalb der Arbeit Unterstützung bietet, kann dich stabilisieren und dir Kraft spenden.

8.       Karriereoptionen prüfen

Parallel kann es Sinn machen, dich nach aktuellen Jobangeboten und Alternativen umzuschauen, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie der Markt ist und dass du die Freiheit hast, jederzeit auch auszusteigen. Das wird dir mehr Handlungsspielraum und die nötige Freiheit geben.

Mache dich vor allem auch schlau, welche Richtlinien das Unternehmen hat, um mit solchen Situationen umzugehen. Diese Themen müssen immer adressiert, aufgedeckt und ernst genommen werden, sie totzuschweigen hilft niemandem wirklich weiter.


Folgende Stellen können dich in deiner Situation unterstützen:

1.       HR

Die Personalabteilung ist oftmals der erste Anlaufstelle, um Unterstützung oder Intervention für Konflikte zu bieten. Sie haben den Überblick über Richtlinien, Verfahren und Ressourcen, insbesondere wie man mit toxischem Verhalten umgehen kann.

2.       Betriebsrat

Dieser fungiert als Ansprechpartner für die Mitarbeiter und sollte im Konfliktfall zwischen den Beteiligten umgehen.

3.       Mentoren und Kollegen

Vertrauenswürdige Kollegen können gleichfalls wichtige Unterstützung bieten, indem sie einfach erstmal zuhören, Empfehlungen aussprechen und gemeinsam eine Lösung erarbeiten.

4.       Externe Beratung und Coaching

Ein Experte für spezielle Konfliktsituationen und zwischenmenschliche Probleme kann dir helfen, die Situation zu analysieren, Strategien zu entwickeln und diese auch in die Umsetzung zu bringen.

5.       Gewerkschaften

Diese Organisationen können rechtliche Unterstützung und Beratung bieten.

6.       Rechtsberatung

Manchmal benötigst du rechtlichen Rat, insbesondere wenn das toxische Verhalten rechtliche Grenzen überschreitet oder gegen Arbeitsrecht verstösst.

7.       Externe Ombudsperson

Manche Unternehmen stellen unabhängige Vermittler bereit, um Konflikte zu lösen und Beschwerden vertraulich zu behandeln.

Insgesamt können sich natürlich jedwede Ausprägung und Konsequenz je nach individueller Situation unterscheiden. Dennoch gibt es immer einige generelle Optionen, die Anwendung finden können.


Es ist wichtig zu beachten, dass jede Situation individuell ist, und die beste Vorgehensweise kann von verschiedenen Faktoren abhängen, einschließlich der Schwere des toxischen Verhaltens und der Unternehmenskultur. Es kann durchaus hilfreich sein, sich mit einer Vertrauensperson außerhalb des Arbeitsplatzes zu beraten, um eine objektive Perspektive zu erhalten und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung zu erhalten, ohne Gefahr zu laufen, dass sich die interne Situation noch verschlimmert.


Bei der Beziehung zum Vorgesetzten wird es sich vermutlich immer um eine Art Abhängigkeitsverhältnis handeln, dem prinzipiell bereits ein besonderes Machtgefüge zugrunde liegt. Die Kraft und Überwindung der eigenen Glaubenssätze und Widerstände, in dieser Situation aktiv zu werden, sind sicherlich aufgrund der möglichen Ängste vor den Konsequenzen massiv. Die größte Angst ist sicherlich die des Jobverlustes aber auch davor, nicht gehört, gesehen oder nur eine geringe Glaubhaftigkeit zu erlangen und am Ende allein dazustehen. Deshalb ist es so wichtig, solche Situationen und vor allem Meldungen im Unternehmen ernst zu nehmen und ihnen nachzugehen. Wenn das Gefühl aufkommt, dass es niemanden interessiert oder kümmert, bekommt das Unternehmen eine Art Untergrundrealitäten, die dazu führen, dass keine Wahrheit mehr gesprochen wird. Dies kann mittel- bis langfristig fatale Auswirkungen auf viele Bereiche haben und extreme Fehlentwicklungen mit sich bringen.


Sei mutig, sprich deine Themen dort an, wo du dich sicher fühlst und finde gemeinsam eine Lösung bzw. guten Weg, um mit der Situation umzugehen, daran zu wachsen und für dich einzustehen! Sollte dir ein solches Thema angetragen werden, übe dich im Zuhören, Mitfühlen und präsent Sein, um dem Betroffenen eine gute Unterstützung zu geben und mit deiner Hilfe allen Seiten gerecht zu werden.



 

Coaching bietet hier eine ideale Unterstützung, um entweder die ersten Schritte in Sachen Konfliktbewältigung und Analyse der eigenen Reaktionsstrukturen zu machen oder direkt neue Kompetenzen zu implementieren, die alle Beteiligten befähigen und ermächtigen mit entsprechenden Situationen in Beziehungen gut und sicher umgehen zu lernen. Eine andere Möglichkeit ist als Mediator bzw. Beobachter ein neutrales Bild der herrschenden Beziehungsmuster der Abteilung bzw. im Unternehmen zu skizzieren und darüber Einsichten und Handlungsempfehlungen an die Entscheidungsträger zu geben.

Ganz im Vertrauen, dass sich das Bestmögliche entwickeln und implementieren darf.


 

Coaching kann dich bei der Bewältigung anstehender Herausforderungen in jeder Phase zielgerichtet unterstützen - intern im Team oder auch als Führungskraft im Unternehmen. Lass uns gemeinsam erarbeiten, wie ich dich und dein Anliegen optimal begleiten und individuell unterstützen kann.


Kontaktiere mich gerne, um deine Anliegen zu besprechen

Nicole Dildei Coaching

+49 157 58 267 427




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