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Persönliche Erkenntnis zu toxischen Dynamiken

Nachdem ich nun die Serie zum toxischen Verhalten am Arbeitsplatz schreibe und mich vertieft mit dem Thema beschäftige, habe ich doch nun auch persönlich zum wiederholten Male weitere Erkenntnisse zu toxischen Dynamiken sammeln dürfen. Gerne möchte ich sie hier mit dir teilen, um vielleicht Impulse geben zu können und das Bewusstsein für die Mechanismen zu erhöhen. Sie sind wahrlich perfide, insbesondere, wenn man noch nicht durchgängig in der Achtsamkeit und Selbstverbundenheit verhaftet ist.

 


Ich bin nämlich nicht nur anderen sondern insbesondere auch mir selbst einmal mehr in die Falle getappt. Ich war mir nämlich leider in keiner Weise bewusst, dass ich mich schon längst wieder in einem Drama-Dreieck, dem Opfer-Täter-Spiel befand und so kam es, wie es kommen musste. Es gab eine Riesenexplosion, nach der ich mich zwar einerseits erleichtert, andererseits aber auch wieder wahnsinnig verwirrt, minderwertig und klein fühlte.


 

Was macht es so schwierig, gesunde Beziehungen zu führen?

Es sind auch nicht unbedingt toxische Verhaltensweisen sondern eher destruktive Muster und Wechselspiele, die eine Beziehung schwierig machen. Die Bezeichnung oder Fokussierung auf das Wort toxisch schiebt nur dem anderen die Schuld zu und verschiebt die Machtenergien. Es wird dadurch aber nichts wirklich gelöst.

Im Gegenteil – diese Dynamiken kann man spielen bis zum Sanktnimmerleinstag, noch mehr Verletzungen entstehen und das Leid wird immer größer. Hier steigt der Stresspegel ins unermessliche und die Reaktionsmuster ziehen so viel wertvolle Energie, dass die Achtsamkeit und Klarheit einfach zunehmend schwindet.

 

Wenn die Verletzungen und Wunden jedoch zu groß sind, diese immer wieder durch das Verhalten anderer aktiviert werden, die Verzweiflung steigt, weil man auf toxisches Verhalten stösst, sich nicht gesehen, gehört oder wahrgenommen, respektiert und geachtet fühlt, dann wird die Unsicherheit so groß, dass die alten Muster umgehend aktiviert werden.


Das System steht in voller Alarmbereitschaft und signalisiert – Rückzug!


Zurück in die bekannten Gefilde und damit die vermeintliche Sicherheit, die wir uns in der Vergangenheit gebastelt haben. Heute enthält dieses Repertoire allerdings nur noch destruktive Muster, die uns immer wieder dasselbe erleben lassen.

 

 

Was geschieht also?

Bei näherer Analyse und Betrachtung ist folgendes geschehen:

Ich sah meine höchsten Werte und Bedürfnisse von unterschiedlichen Menschen in meinem engsten Umfeld, weil ich sie genau dorthin in der tiefen Hoffnung und mit der vermutlich falschen Erwartungshaltung, dass wir eine gesunde und erwachsene Beziehung (Partnerschaft sowie Freundschaft) miteinander führen können, eingeladen hatte, mit Füssen getreten.


So ist mein Stressmuster grundsätzlich der FAWN- also der Unterwerfungsmodus, der mich dazu veranlasst, es Menschen in meinem Leben recht machen zu wollen, mich dadurch zurückzustellen und zunächst immer bedacht darauf zu sein, dass es für alle anderen stimmt. Das fühlt sich offenbar wunderbar an und es wird selten hinterfragt, sondern „man“ nimmt es gerne mit. Nach einiger Zeit jedoch, insbesondere, wenn meine Bedürfnisse in keiner Weise geachtet oder gesehen werden, kippt mein System.


Vor allem, nachdem es mir endlich gelungen ist, öfter einmal auf meine Werte und Empfindungen hinzuweisen. Vielleicht noch nicht in der Lautstärke und Vehemenz, wie es offenbar notwendig scheint, aber immerhin, ich für mich kann eine positive Entwicklung seit Monaten feststellen. Doch leider scheint es niemanden wirklich zu interessieren. Im Gegenteil, nach erneuten Hinweisen und Andeutungen, werde ich eher mit gaslighting – also dem Verleugnen und Verdrehen der Tatsachen sowie Abwertung und Endwürdigung gestraft. Meist sind sich um mich herum alle darüber einig. Interessant. Vor allem, wenn es eindeutige und unwiderrufliche Nachweise hierzu gibt, die bestätigen, dass mein Gedächtnis und meine Wahrnehmung durchaus funktionieren.

 


Typischer Ablauf der Stressreaktionen

Wenn mein System dann kippt, weil ich mich ohnmächtig, verzweifelt und auch wütend fühle, verfalle ich zunächst in den Flight-, dann Fight- und zu guterletzt in den Freeze-Modus. Alles leider am Ende destruktive Reaktionsmuster, die in keiner Weise zur Konfliktlösung beitragen und doch immer gleich ablaufen. Als wäre ich in einem Mikrokosmos mit nur vier möglichen Verhaltensweisen gefangen. Dieses Empfinden verstärkt natürlich am Ende meine Hoffnungslosigkeit um ein Vielfaches.

 

Flight

Der Flightmodus zwingt mich in den Rückzug – ich nehme nicht mehr teil, beantworte Nachrichten nicht mehr und hoffe insgeheim, dass mein Gegenüber es bemerkt und endlich für mich Interesse zeigt, mich befragt, aufmerksam wird und mir ein Stück entgegenkommt. Meist auch gepaart mit passiv-aggressivem Verhalten, weil ich bei Kontaktaufnahme unterkühlt, schnippisch und zurückhaltend bin – ganz entgegen meiner sonstigen Kommunikationsweise.

 

Fight

Der Fightmodus kommt ins Spiel, wenn der Gegenüber anfängt mich mit Anklagen, Vorwürfen und Anschuldigungen zu überhäufen, weil ihm natürlich auffällt, dass ich mich anders verhalte, seine Annehmlichkeiten langsam wegfallen und er wütend wird, dass ich mich nicht dazu äußere. Dann platzt meistens der Kragen, weil ich gefühlt immer wieder gesagt habe, was nicht passt oder davon ausgegangen bin, dass sich der andere über seine unterschiedlichen Verhaltensweisen mir und anderen gegenüber bewusst ist und er auch bewusst handelt. Wie kann es sein, dass immer alle anderen wichtiger, deren Meinungen mehr zählen und auf sie immer Rücksicht genommen wird, wohingegen meine Bedürfnisse ungehört, ungesehen und unbeachtet bleiben. Ein Rätsel, welches sich mir bis jetzt immernoch nicht ganz erschlossen hat.


Zudem stürzt es mich dann direkt in meine Selbstzweifel – habe ich etwas nicht gesehen, handle ich ungerecht, ist meine Wahrnehmung wirklich richtig? Unfassbar… Der andere bekommt sofort die „richtige“ Position und ich gehe direkt, ohne Umwege, in den Freezemodus.

 

Freeze

Dieser setzt dem ganzen dann die Krone auf. Ab einem bestimmten Moment weiß ich leider nicht mehr, was ich noch zu dem Ganzen beitragen könnte. Aus meiner Sicht ist alles gesagt, jedes weitere Wort würde nur noch mehr Konfliktpotential schüren, mich in tiefere Rechtfertigungsspiralen schleudern und mich noch kleiner und unwürdiger fühlen lassen. Und es verstehe ohnehin niemand meine Position. Wenn ich dann noch 2 oder mehr Personen vor mir habe, ist der Fall noch schneller erledigt als ich schauen kann. Da hilft auch keine Pause, kein Abstand, kein Waffenstillstand.

 

Die Beziehungen sind dann zerstört, kaputt und irreparabel beendet.



Eine weitere Erkenntnis 

Schade, denn eigentlich wollte ich nur gesehen werden, wie ich andere auch sehe, mich für sie interessiere, zuhöre und einfach da bin. Weil ich mir eine solche Behandlung und Beachtung so sehr für mich selbst wünsche. Stattdessen bin ich am Ende wieder allein.

 

Und hier kommt jetzt die weitere Erkenntnis. Werde ich mich für mich als toxisch empfundenes Verhalten konfrontiert, reagiere ich gleichfalls toxisch zurück. Aus dem Täter wird dann ein Opfer und ich werde vom Opfer zum Täter. Ein sehr perfides und auswegloses Spiel. Ich versuche, den anderen von meiner Sicht und der Richtigkeit meines Verhaltens aus meiner Perspektive zu überzeugen und ernte noch mehr Widerstand und Gegenwind.


Das macht alles keinen Sinn. Zumal ich jüngst die Erfahrung machen durfte, dass mir nach einigen Wochen genau meine Sichtweise, Haltung und Quintessenz als ureigene Weisheit des anderen zurückgespiegelt wurde. Ich musste fast lachen und bin dem Universum dankbar – denn ich habe verstanden: Es gibt überhaupt keinen Grund mehr, an meiner Weisheit, Klarheit, Selbstwahrnehmung und Verbundenheit auch nur im Geringsten zu zweifeln.



Nächste Schritte

Die anderen brauchen nur noch ein wenig, um diese Zusammenhänge für sich selbst zu erkennen.


Also übe ich mich in Geduld und warte ab, bis dieser Zustand eingetreten ist. Lasse mich aber in der Zwischenzeit nicht ins Boxhorn jagen, abwerten oder niedermachen, solange sie gar nicht wissen, worüber sie eigentlich lamentieren. Ich kann nur ihre Gefühle der Angst spüren und die immense Abwehr, sich ihre eigenen Themen anzuschauen. Aber ganz ehrlich – das ist wahrlich nicht mein Problem! Ich habe jedoch großes Mitgefühl, denn dort habe ich auch schon gestanden und es fühlte sich richtig blöd an. Der Mut und die Kraft zu springen, und sich meinen tiefsten Abgründen zu stellen, waren nicht plötzlich über Nacht vorhanden, sondern habe ich mir mühsam und langsam erarbeitet.

 

Darauf bin ich heute umso stolzer.

 


Wo ist also der Ausstieg?

Sinn hinter all diesen Verhaltensweisen ist immer, unseren eigenen Anteil nicht anschauen zu wollen und bie unbewussten Menschen die Schuldfrage geklärt zu wissen. Bewusste Menschen wissen, dass es nicht um Schuld geht, doch diskutiere mal als jemand, der schon vieles verstanden und geklärt hat, mit jemandem, der voll in seinem Psychopfuhl sitzt und jeder Satz und Gedanke, der kommt, durch und durch unbewusst ist. Dann werden so viele Trigger bedient, die alle auf weitere Bearbeitung warten, dass die Überforderung kein Wunder ist.

 

Und da haben wir noch nicht darüber gesprochen, welche Defizite jeder von uns so mitbringt, wie tief die eigenen Wunden manchmal gehen und wie heftig sich das durch das toxische Verhalten einstellende Ungleichgewicht auswirkt. Denn am Ende geht es um das Machtgefälle. Der andere kann sich nur die Macht nehmen, die ich ihm erlaube auszuüben.

 


Kommunikation und Mitgefühlt sind der Schlüssel

Am Ende geht es wieder um Kommunikation – klar, neutral und weise. Es geht darum, die eigenen Gefühle emotionslos zu benennen, zu schildern, wie es einem wirklich geht und wenn das erhoffte Verständnis hierfür ausbleibt, bei sich zu bleiben und sich aus der Beziehung zurückzuziehen. Denn nur mit gegenseitigem Verständnis füreinander ist überhaupt nur eine Klärung möglich. Der wohlwollende Wille und der Wunsch, dass die Beziehung sich auf eine neue Ebene entwickeln darf, müssen von allen Seiten aus vorhanden sein. Und es geht hier nicht darum, den anderen zu überzeugen, seinen Standpunkt durchzudrücken, sondern zu verstehen, was der andere braucht, wie es ihm wirklich geht, um sich dann auch zu öffnen und die eigene Sichtweise darzulegen.

 

Du musst, Du hättest, … wenn Du anders gehandelt hättest, … immer, nie, alles, nichts… sind definitiv der falsche Ansatz! Den anderen nicht mehr anzuschauen, sich weiterhin nicht für ihn zu interessieren, zu schweigen und zu missachten, sind nur Anzeichen dafür, dass es wirklich Zeit ist zu gehen.

 


Meine Quintessenz aus den Vorfällen der jüngsten Vergangenheit:

Mein Empfinden ist richtig! Ich und meine Bedürfnisse sind wichtig! Ich darf und stehe für mich ein! Ich bin es wert, gute und gesunde Beziehungen zu pflegen!

 

Unreife und unbewusste Menschen haben in meinem Umfeld nichts mehr verloren. Anklagen, Vorwürfe und Anschuldigungen, ohne ein bisschen sich selbst für das Thema zu öffnen, seinen Anteil anzuschauen und dann gemeinsam eine gute Lösung herbeizuführen, sind Verhaltensweisen, die ich in meinem Leben nicht mehr dulde.

 

Ich habe wahnsinnig viel gelernt und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen nochmal so intensiv machen musste.

 

Danke dir fürs Lesen!


 

 

Coaching bietet hier eine ideale Unterstützung, um entweder die ersten Schritte in Sachen Konfliktbewältigung und Analyse der eigenen Reaktionsstrukturen zu machen oder direkt neue Kompetenzen zu implementieren, die alle Beteiligten befähigen und ermächtigen mit entsprechenden Situationen in Beziehungen gut und sicher umgehen zu lernen. Eine andere Möglichkeit ist als Mediator bzw. Beobachter ein neutrales Bild der herrschenden Beziehungsmuster der Abteilung bzw. im Unternehmen zu skizzieren und darüber Einsichten und Handlungsempfehlungen an die Entscheidungsträger zu geben.

Ganz im Vertrauen, dass sich das Bestmögliche entwickeln und implementieren darf.


 

Coaching kann dich bei der Bewältigung anstehender Herausforderungen in jeder Phase zielgerichtet unterstützen - intern im Team oder auch als Führungskraft im Unternehmen. Lass uns gemeinsam erarbeiten, wie ich dich und dein Anliegen optimal begleiten und individuell unterstützen kann.


Kontaktiere mich gerne, um deine Anliegen zu besprechen

Nicole Dildei Coaching

+49 157 58 267 427




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